Bandscheibenvorfall: Was Du jetzt tun kannst

Was nach der Diagnose hilft: Warnzeichen für den Notfall, Bewegung statt Bettruhe und Übungen, die Deinen Rücken wieder aufbauen.

Gesundheit
Was nach der Diagnose hilft: Warnzeichen für den Notfall, Bewegung statt Bettruhe und Übungen, die Deinen Rücken wieder aufbauen.

Ein Bandscheibenvorfall heilt in vielen Fällen von selbst ab, eine Operation ist nur selten nötig. Das Wichtigste, was Du jetzt tun kannst, ist in Bewegung zu bleiben, statt Dich ins Bett zu legen. Lass die Beschwerden zuerst ärztlich abklären, geh dann regelmäßig spazieren und kräftige Rücken und Bauch gezielt, sobald Dein Arzt zustimmt.

Zuerst ärztlich abklären lassen

Eine ungünstige Bewegung, und schon schießt es Dir in den Rücken. Hinter solchen Schmerzen steckt aber längst nicht immer die Bandscheibe, nur in knapp 10 Prozent der Fälle sind Bandscheibenschäden die Ursache. Meist klingen die Beschwerden nach ein paar Tagen wieder ab.

Halten die Schmerzen an oder strahlen sie in die Beine aus, führt kein Weg am Arzt vorbei. Ein Röntgenbild zeigt vor allem die Knochen. Gewissheit über die Bandscheibe bringt meist eine MRT (Magnetresonanztomographie).

Warnzeichen: Dann musst Du sofort zum Arzt

Bei den folgenden Anzeichen wartest Du nicht ab, sondern gehst sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme. Solche Zeichen können bedeuten, dass Nerven stark unter Druck stehen.

  • Lähmungen, zum Beispiel wenn Du den Fuß nicht mehr richtig anheben kannst oder ein Bein plötzlich kraftlos wird
  • Taubheit im Genital- oder Gesäßbereich
  • Probleme beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang, etwa wenn Du Blase oder Darm nicht mehr richtig kontrollieren kannst

Was in der Bandscheibe passiert

Die Bandscheiben liegen als Puffer zwischen den Wirbelkörpern und verbinden sie miteinander. Ein fester Faserring hält sie zusammen, innen federt ein gallertartiger Kern Stöße ab und verlagert sich bei jeder Bewegung etwas. Bewegt werden die Wirbel von den Muskeln rundherum.

Eine gesunde Bandscheibe ist sehr robust und hält sogar mehr Druck aus als die Wirbelkörper darüber und darunter. Erst jahrelanger Bewegungsmangel oder stark einseitige Belastung bauen sie übermäßig ab. Dann reicht schon eine Kleinigkeit wie Niesen, Schuhebinden oder eine gewohnte Übung im Studio, damit der Faserring einreißt und Teile des Kerns austreten und auf Nerven drücken.

Die Bandscheibe ist also meist eher Opfer als Ursache. Wird die Wirbelsäule unbeweglicher, leidet ihre Versorgung, und der Kern wandert an den hinteren Rand. Lässt zusätzlich die Kraft der umliegenden Muskeln nach, wird das Wirbelsegment instabil, und das Gewebe ermüdet wie eine Büroklammer, die Du immer wieder biegst, bis sie bricht.

Wie lange dauert die Heilung?

Untersuchungen an Menschen ohne Rückenschmerzen zeigen, dass viele einen Vorfall haben, ohne je darunter gelitten zu haben. Ein Vorfall muss also keine Schmerzen machen, und er kann von selbst abheilen.

Die Heilungsdauer ist von Mensch zu Mensch verschieden. Bei vielen gehen die Beschwerden innerhalb von 4 bis 6 Wochen deutlich zurück. Voll belastbar ist das Gewebe meist erst später.

Hilft Spazierengehen bei einem Bandscheibenvorfall?

Ja, wenn Dein Arzt nichts dagegen hat, ist Spazierengehen in den meisten Fällen genau das Richtige. Bettruhe schadet eher, denn leichte Aktivität mit kleinen Bewegungen unterstützt die Heilung. Beim Gehen bewegt sich Deine Wirbelsäule sanft im Rhythmus der Schritte, ohne stark belastet zu werden.

Starte mit kurzen Runden auf ebenen Wegen, am Tegernsee zum Beispiel am Seeufer, lieber mehrmals am Tag als einmal lang. Verlängere die Strecke nach und nach. Werden die Schmerzen stärker oder ziehen sie ins Bein, legst Du eine Pause ein.

Auch zu Hause helfen kleine, ruhige Bewegungen des Oberkörpers. Hör dabei auf Deinen Körper, er zeigt Dir schnell, was ihm guttut und was nicht. Ruckartige Bewegungen, schweres Heben und Drehen unter Last lässt Du in dieser Zeit weg.

Wenn es besser wird: Belastung langsam steigern

Mit der Zeit ersetzt Dein Körper das verletzte Gewebe durch neue Zellen. Diese sind anfangs noch nicht belastbar und müssen mit mehr Beweglichkeit und langsam steigender Belastung trainiert werden. Hier setzt in der Regel die Physiotherapie an.

Im Anschluss kann Reha-Sport mit Verordnung sinnvoll sein. Bei medius trainierst Du dabei in kleinen Gruppen, betreut von unserem Team.

Ursachen finden und dranbleiben

Damit Dein Rücken langfristig Ruhe gibt, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf Dich selbst. Wie bewegst Du Dich im Alltag, wie kräftig ist Deine Muskulatur, wie beweglich ist Deine Wirbelsäule, und ist Dein Training ausgewogen? Lass Dich dabei von Deinem Arzt aktiv in die Behandlung einbeziehen.

Mit computergestützten Messverfahren lassen sich Kraftdefizite und Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule erkennen, und wer sie gezielt ausgleicht, dem geht es oft deutlich besser. Bei medius zeigt Dir die Wirbelsäulen-Diagnostik mit einem 3D-Screening Fehlhaltungen und den Zustand Deiner Rumpfmuskulatur. Dazu gehören eine Beratung zu einem gezielten Bewegungsprogramm und 30 Minuten Personal Training für den Rücken.

Danach heißt es dranbleiben, so wie nach dem Zahnarztbesuch die tägliche Zahnpflege weitergeht. Führe Dein Bewegungsprogramm dauerhaft fort, denn Du hast nur eine Wirbelsäule. Wie Du langfristig vorbeugst, liest Du im Ratgeber Rücken stärken und Rückenschmerzen vorbeugen.

Übungen für Rücken und Bauch im Studio

Sobald Dein Arzt oder Physiotherapeut das Training freigibt, kräftigst Du gezielt die Muskeln, die Deine Wirbelsäule stützen. Trainiere nur im schmerzfreien Bereich und hör sofort auf, wenn Schmerzen auftreten oder ins Bein ausstrahlen. Gewicht und Wiederholungen stellst Du am besten zusammen mit einem Trainer ein.

Rückenstrecker am Gerät

Fixiere Deinen Rücken am Polster, sodass Oberkörper und Oberschenkel in der Ausgangsposition einen Winkel von 90 Grad bilden. Lehne den Oberkörper an das obere Polster und schieb die Schultern nach hinten gegen den Widerstand. Deine Lendenwirbelsäule bleibt dabei stabil, die Schultern bleiben unten. So trainierst Du vor allem den Rückenstrecker (erector spinae).

Frau in weißer Kleidung trainiert an einem Rückenstrecker-Gerät mit roten Polstern

Bauchmuskeln an der Rumpfbeugemaschine

Klemm die Füße hinter die Rolle und fass die Griffe fest mit beiden Händen. Zieh die Schultern nach unten, lass sie während der ganzen Übung dort und schieb das Brustbein in Richtung Knie, aber nur so weit, wie es schmerzfrei geht. Dabei arbeiten die gerade Bauchmuskulatur (rectus abdominis), die schräge Bauchmuskulatur (obliqui) und der Hüftbeuger (iliopsoas).

Frau in weißer Kleidung an einem Bauchtrainer-Gerät, die Arme vor der Brust

Schulterheben in Bauchlage

Leg Dich entspannt auf den Bauch, die Beine sind ausgestreckt. Streck die Arme nach vorn und heb die Schultern an. Atme ruhig weiter und halte die Spannung einige Sekunden. Achte darauf, nicht ins Hohlkreuz zu gehen, und halte den Kopf in Verlängerung der Wirbelsäule.

Diese Übung kräftigt den Rückenstrecker (erector spinae) und die Schultermuskulatur (deltoideus). Auf dem Bild hebt die Trainierende zusätzlich die gestreckten Beine an. Probiere diese schwerere Variante erst, wenn die Grundübung ohne Beschwerden klappt.

Frau liegt in Bauchlage auf einer grünen Matte und hebt Arme und Beine gestreckt an

Dehnübungen nach einem Bandscheibenvorfall

Neben Kraft braucht Dein Rücken Beweglichkeit, auch in den Oberschenkeln, deren Muskeln am Becken ansetzen. Dehne nur nach ärztlicher Freigabe und nur so weit, wie es angenehm bleibt. Halte jede Dehnung etwa 20 bis 30 Sekunden und atme ruhig weiter.

Oberschenkelrückseite in Rückenlage

Leg Dich entspannt auf den Rücken, umfasse ein Bein an der Oberschenkelrückseite oberhalb der Kniekehle und zieh den Oberschenkel zum Oberkörper. Kopf und unterer Rücken bleiben dabei am Boden. Danach wechselst Du die Seite.

Frau liegt auf dem Rücken auf einer Matte und zieht ein angewinkeltes Bein zum Oberkörper

Oberschenkelvorderseite im Stehen

Stell Dich aufrecht hin, winkle ein Bein an und zieh den Fuß zum Gesäß, bis Du eine Dehnung an der Oberschenkelvorderseite spürst. Greif den Fuß am Sprunggelenk und achte auf einen aufrechten Stand. Halte Dich bei Bedarf mit der freien Hand an einer Stange fest.

Frau steht aufrecht, stützt sich an einem Stab ab und zieht einen Fuß zum Gesäß

Häufige Fragen zum Bandscheibenvorfall

Wann ist Sport wieder möglich?

Das klärst Du am besten mit Deinem Arzt, denn jeder Verlauf ist anders. Sportarten mit Sprüngen, schnellen Drehungen oder schweren Lasten kommen erst dazu, wenn Du schmerzfrei bist und Deine Rumpfmuskulatur wieder kräftig ist.

Ist eine Operation nötig?

Nur selten. Meist bessern sich die Beschwerden mit Bewegung und etwas Geduld. Bei Warnzeichen wie Lähmungen oder Problemen mit Blase und Darm kann aber eine schnelle Operation nötig sein.

Übernimmt die Krankenkasse den Reha-Sport?

Mit gültiger ärztlicher Verordnung übernimmt in der Regel die gesetzliche Krankenkasse die Kosten, je nach Kasse nach einer Genehmigung. Üblich sind 50 Übungseinheiten in 18 Monaten.

Gut begleitet zurück ins Training

Hat Dein Arzt grünes Licht gegeben, begleiten wir Dich bei medius in Tegernsee Schritt für Schritt. Beim Probetraining für 15 € nimmt sich ein Trainer eine Stunde Zeit, bespricht Deine Ziele und Einschränkungen und zeigt Dir die passenden Geräte. Später hält Dich der Kurs Rücken Fit mit Mobilisation und Kräftigung für Rücken, Bauch und Schultergürtel in Bewegung.

Schreib uns gerne

Wir freuen uns auf Deine Nachricht

Danke, Deine Nachricht ist angekommen. Wir melden uns bald bei Dir.
Das hat leider nicht geklappt. Bitte versuch es noch einmal oder ruf uns an.